GESUNDHEITSCAMPUS IMMUNOLOGIE, INFEKTIOLOGIE UND INFLAMMATION

Warum B-Zellen gegen den Strom schwimmen müssen

Nach dem erfolgreichen Auftakt 2016 rief der GC-I³ 2017 seine Mitglieder zum zweiten Mal auf, sich um das Paper des Jahres zu bewerben. Unter insgesamt zehn Bewerbungen mit einem durchschnittlichen Impact Factor von 11,1 wurden nun die besten drei ausgewählt.

Dr. Kerry Tedford aus dem Institut für Biochemie und Zellbiologie wurde für ihre, in Nature Communications erschienene, Arbeit „The opposing forces of shear flow and sphingosine-1-phosphate control marginal zone B cell shuttling“, mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Marginalzonen B-Zellen sind spezialisierte B-Zellen in der Milz, sie sind ein wichtiger Bestandteil der frühen Immunantwort gegen Krankheitserreger im Blut. Um Ihre Aufgabe optimal zu erfüllen, müssen Sie sich zwischen verschiedenen Regionen in der Milz hin- und her bewegen. Dr. Tedford konnte in Ihrer Veröffentlichung das erste Mal zeigen, dass die B-Zellen dafür auch die Fließrichtung und Geschwindigkeit des Blutes als Wegweiser nutzen. Außerdem wusste man zwar bereits, dass Sphingosin-1-phosphat (S1P) bei diesem Prozess eine Rolle spielt, doch die Forscherinnen und Forscher konnten erstmalig einen molekularen Mechanismus für die Rolle von S1P aufklären. Dies ist insbesondere deshalb bedeutend, weil S1P-vermittelte Signalwege das Ziel wichtiger Medikamente, beispielsweise gegen die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose, sind.

Abbildung Tedford et al

Bereits zum zweiten Mal sicherte sich Dr. Shrey Kohli, nach seiner Promotion mit summa cum laude mittlerweile PostDoc im Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, den zweiten Preis. Seine Arbeit „p45 NF-E2 regulates syncytiotrophoblast differentiation by post-translational GCM1 modifications in human intrauterine growth restriction“ erschien in Cell Death and Disease. Darin hat er sich mit den Signalwegen, die zu einer gestörten Durchblutung und damit zu einer Insuffizienz der Plazenta führen, beschäftigt. Eine Plazenta-Insuffizienz gefährdet zum einen die Entwicklung des Kindes im Mutterleib, zum anderen können auch noch im Erwachsenenalter Spätfolgen, wie Diabetes und Arteriosklerose, auftreten. Dr. Kohli konnte ein neues Molekül identifizieren, dessen Funktion bei betroffenen Schwangeren gestört ist. In zukünftigen Studien könnten dadurch neue Biomarker und Therapien entwickelt werden.

Mit dem dritten Platz wurde Dr. Aditya Arra aus der Abteilung für Experimentelle Pädiatrie und Neonatologie gewürdigt. Sein Beitrag „The differentiation and plasticity of Tc17 cells are regulated by CTLA-4-mediated effects on STATs“ wurde in OncoImmunology veröffentlicht. Bei der Behandlung verschiedener Krebsarten, beispielsweise des malignen Melanoms (schwarzer Hautkrebs) gewinnen sogenannte Immuntherapien immer weiter an Bedeutung. Hierbei wird ausgenutzt und stimuliert, dass bestimmte körpereigene T-Zellen Krebszellen erkennen und bekämpfen. In der prämierten Studie untersuchten die Wissenschaftler um Dr. Arra diesen Vorgang, und konnten einen weiteren Baustein in der Kaskade von Ereignissen, die für eine effiziente Tumorbekämpfung durch T-Zellen notwendig sind, identifizieren.

Mit den mit 1000 €, 500 € und 250 € dotierten Preisen würdigt der GC-I³ die herausragenden Leistungen der drei jungen WissenschaftlerInnen. Die feierliche, offizielle Verleihung wird am 25. Oktober 2018 im Rahmen eines Parlamentarischen Abends des GC-I³ erfolgen. Auch dieses Jahr wird der GC-I³ wieder drei Preise für das Paper des Jahres verleihen. Folgende Kriterien sind bei der Bewerbung entscheidend: die Arbeit muss in 2018 publiziert oder offiziell akzeptiert worden sein, Preisträger ist der/die jeweilige Erstautor/in (bzw. die Erstautoren) und die Publikation muss hauptsächlich in einer Einrichtung, die Mitglied des GC-I³ ist, angefertigt worden sein. Es können außerdem nur Arbeiten berücksichtigt werden, bei denen der GC-I³ in der Affiliation genannt ist.

Bild: Immunfluoreszenzmikroskopie der Milz. Die Moleküle ICAM-1 (grün) und VCAM-1 (lila) wurden angefärbt, dadurch erkennt man die verschiedenen Zonen der Milz, zwischen denen die Marginalzonen B-Zellen sich bewegen müssen. (Quelle: Tedford et al., Nature Communications, 2017; 8: 2261.)

Letzte Änderung: 04.02.2019 - Ansprechpartner:

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